Unternehmensgeschichte - Tradition verpflichtet

Das hanseatische Familienunternehmen Eberhard blickt auf eine über 100 Jahre alte Firmengeschichte zurück. 1899 gegründet, gilt damals wie heute nur eine Maxime: Innovation und Tradition in sinnvoller Weise miteinander zu verknüpfen. „Fünf Generationen weiter wird dieser Grundgedanke immer noch beherzigt. Dabei haben uns die Eltern gelehrt, das Wünschenswerte und das Machbare durch strategische und kaufmännische Allianzen zu erreichen“ sagt Max Johannes Eberhard, 59, der älteste Sohn von Max und Betty Eberhard.

Vater Max, kämpfte unermüdlich in verschiedenen Verbandsfunktionen jahrzehntelang für die Interessen der Schaustellerbranche. Als Präsident des Deutschen Schaustellerbundes gelang es ihm in harten politischen Verhandlungen Vergünstigungen zu erreichen, die besonders heute die Existenz des Gewerbes schützen, u.a. der verringerte Mehrwertsteuersatz und die Steuerfreiheit für Zugmaschinen.

Ehefrau Betty, Beamtentochter und Mutter dreier Kinder war das, was man heute wohl Multi-Task-Force nennt, tagsüber managte sie die Verlosung bundesweit auf vielen großen Festplätzen, führte gastronomische Betriebe am Hauptbahnhof, „Das Alte Landhaus“ am Eppendorfer Marktplatz, das Dom-Cafe im Winter – damals wie heute auch – geplagt von ständigen Personalsorgen. Abends nahm sie an gesellschaftlichen Verpflichtungen teil oder bewirtete höchst persönlich das Who is Who aus Politik und Gesellschaft. In besonderer Erinnerung sind dabei besonders den Kindern die Privataudienz beim Papst und die Begegnung mit Königin Beatrix von den Niederlanden geblieben.

Die drei Jungs haben in dem renommierten Internat Carl Hunnius in Wyk auf Föhr die Hochschulreife erlangt. Dafür sind die drei Brüder ihren Eltern heute noch dankbar. Denn nur Wissen und Bildung hat es ihnen in den 70er Jahren ermöglicht, in England Verträge für das in Deutschland weitgehend unbekannte „Pferderennen“ abzuschließen - zunächst als stationäre Betriebe in Freizeitparks wie Phantasia- Land, Geiselwind, Heide- Park. Immer wieder haben die Brüder nach Partnern gesucht, um das Geschicklichkeitsspiel mit der schnellen Holzkugel auf die Reise zu bringen. Immer wieder die gleiche die Antwort: Macht es doch selbst.

Und so kam es auch. Bruder Udo, 57, reist heute mit dem „Camel Truck“ und Karsten, 52, lässt die Pferde im „Hansa-Derby“ galoppieren. Und auch der Älteste, Max Johannes, war am Ende nicht für die gastronomische Vorliebe der Eltern zu begeistern. Technisch interessiert, zog er aus, um in einer der ältesten norddeutschen Karussellfabriken Deutschlands, beim Bau seines ersten Fahrgeschäftes selbst mitzuwirken. Der „Swing-Up“. Fahrattraktionen wie „Rainbow“ und „Cran Canyon“ folgten.

In einer  partnerschaftlichen Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen Goebel (Sitz in Worms) ging das Riesenrad „Amore“ und die Familien-Achterbahn „Wilde Maus“ bundesweit auf die Reise. „Eine freundschaftliche Partnerschaft, die auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten seit mehr als 15 Jahren hält. Das freut mich besonders“, so Eberhard. Und, der Unternehmer weiter, wir sind weiter zu jeder gemeinschaftlichen Schandtat bereit, und lächelt  verschmitzt.

Dabei hat er sicherlich nicht an die vielen Millionen gedacht, die er in die „Flugsensation am europäischen Himmel“, so die Presse,  Investierte Nach dem Hochfahrgeschäft „Evolution“, das dem Unternehmer 1992 viele graue Haare kostete und nebenbei auch den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde „als höchstes Flugkarussell der Welt“ bescherte, investierte Eberhard in ein weiteres außergewöhnliches Geschäft: das dreidimensionale Flugspektakel „AIRWOLF“ – heute in Deutschland ein Unikat mit Kult-Status.

Auch hier hat der gebürtige Hamburger persönlich mitgewirkt. Der Herr der Lüfte hat nicht nur seinen Namen nach der gleichnamigen US-Serie erhalten. Auch die Fahrbewegung, teilweise einem trudelnden Hubschrauber nachempfunden, und die Bemalung erinnern an den amerikanischen TV-Streifen. Gemäß der Maxime, Tradition und Moderne zu verbinden, hat er das Geschäft, ausgestattet mit 23.600 Glühlampen, noch zusätzlich durch eine einzigartige LEDInstallation in der vergangenen Saison in ein ganz neues Licht getaucht. Für seinen Innovationsgeist ist Max Johannes Eberhard in Düsseldorf von dem in diesem Jahr verstorbenen Oberbürgermeister Erwin 2002 zum Schausteller des Jahres geehrt worden. „Ich erachte es als besondere Belobigung von diesem politischen Würdenträger ausgezeichnet  worden zu sein“, so der Hanseat. Und was treibt den Geschäftsmann heute um?

„Die Sorge, dass die großen mobilen Freizeitanlagen unter immer größerem wirtschaftlichen Druck stehen“. Steigende Strom- und Dieselpreise, die zunehmende Regelwut der Behörden für Transportgenehmigungen, die stetig wachsenden Anforderungen des TÜVs und die extrem schwierige Rekrutierung von Personal. Eine Fülle von unwägbaren Faktoren, die uns bedauerlicherweise zu knallharten wirtschaftlichen Entscheidungen zwingen. Am schlimmsten, so Eberhard, sei aber die zunehmende Prozessflut der Kollegen, sich auf Veranstaltungen einzuklagen. „Ein Weg, den ich konsequent ablehne und verurteile, weil er unserem Gewerbe in seiner Gesamtheit in hohem Maße schadet. Das ist nicht innovativ und es ist auch keine gute, alte Tradition.“