Die Geschäfte sind abgebaut. Das rollende Heim auf dem nächsten Platz eingeparkt. Es war der Auftakt in die Saison – der Hamburger Dom. Es war ein schlechter Auftakt. Sie wollen wissen, warum?
Hier eine kleine Auswahl der nicht enden wollenden Ausreden:
Es sind Ferien. Es regnet. Es ist Monatsende. Es ist Osterfeuer. Auf den anderen Plätzen ist auch nichts los. Die Spritpreise sind zu hoch. Die Leute haben eben einfach kein Geld mehr. Und jetzt kommt’s – Es sind keine Ferien.
So versucht man sich beim Frust-Bier am Stammtisch Tageseinnahmen zu erklären, die bei vielen Kollegen deutlich unter 200 Euro liegen.
Fragen wir uns, haben wir das richtige Produkt?
Fragen wir uns, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?
Fragen wir uns, vermitteln wir eine Botschaft?
Fragen wir uns, liefern wir den richtigen Service?
Nein. Tun wir nicht. Das fragen wir uns nicht.
WEITER SO – heißt unsere Divise.
Das Deutsche Institut für Service-Qualität vergibt – auch im Auftrag des Fernsehsenders n-tv und des Handelsblattes den Deutschen Servicepreis. Qualität, Kompetenz, Service von Unternehmen stehen im Mittelpunkt einer methodischen Untersuchung. Am Ende von Testkäufen und Beratungsgesprächen steht ein Gütesiegel, mit dem die ausgezeichneten Unternehmen Werbung machen und Vertrauen beim Kunden schaffen. Wir haben nicht die Courage, uns diesen Kriterien zu unterwerfen. Vielleicht haben wir sogar Angst, uns unabhängigen Prüfern zu unterziehen. Was könnte wohl dabei herausgekommen?
Nein, damit wollen wir uns nicht beschäftigen. WEITER SO – heißt unsere Devise.
Nein, wir wollen uns nicht bewegen. Aber wie heißt es so schön, wer sich nicht bewegt, der wird bewegt.
Und so geschieht es auch. Die Veranstalter des Hamburger Doms haben nun endlich auch im hohen Norden damit begonnen, das reisende Gewerbe nach einem Punktesystem zu bewerten. Die Folge: Kollegialer Aufschrei. Wir wollen uns nicht bewegen. Wir wollen nicht konkurrieren. Wir wollen Bestandsschutz.
Selbstverständlich dient dieses Bewertungssystem den Veranstaltern dazu, attraktive Geschäfte ohne Ansehen der Person zuzulassen und möglicherweise bisher angestammten Betrieben eine Absage zu erteilen. Sicher, das schafft Existenzsorgen. Aber dieser Bewertungskatalog bietet auch die Chance, sein Geschäft aufzupolieren, längst akzeptierte Mängel abzustellen, sich anzustrengen, sich der Konkurrenz zu stellen. Wir haben es alle zusammen versäumt, hier selbst Maßstäbe und Maximen zu setzen.
Aber in der Tat, lässt sich fragen, was nützen uns „goldene Imbissbetriebe und glitzernde Fahrgeschäfte“, wenn der Kunde diese Produktinnovation gar nicht erfährt. Die Antwort: Richtig, nichts.
Bei uns heißt das große Feld des Marketing mit all seinen unendlich vielen Geschäftsfeldern immer noch „Reklame“. Weiter so – heißt auch hier die Devise.
Eigentlich bin ich kein Befürworter, in den „guten alten Zeiten“ zu schwelgen. Wie heißt es so schön: Für das Gewesene gibt der Bauer nix. Aber bisweilen schärft der Blick zurück das Bewusstsein für eine Krise in der Gegenwart.
Wir haben mal Maßstäbe auf dem Hamburger Dom gesetzt. Bundesweit hat die Branche auf die Hansestadt geblickt.
Für einen Werbeetat von ca. 900.000 Euro haben wir
- eine renommierte Werbe-Agentur beschäftigt
- eine Marketingstudie in Auftrag gegeben
- ein stets präsentes PR-Büro beauftragt, den Dom in den Medien zu vermarkten – mit großem Erfolg
- eine Identifikationskampagne gestartet mit Extra-Plakaten
- eine vielbeachtete Preview mit dem Wirtschaftssenator Gunnar Uldall im Streits initiiert
- neue Werbeplakate entworfen
- fahrende Botschafter des Doms – Werbe-Busse in der Stadt – designet
- die Eventfläche thematisch ausgerichtet
- einen Dom-Song-Contest veranstaltet
- einen Fernsehstammtisch mit prominenten Gästen aus Politik und Wirtschaft ins Leben gerufen
und unendlich viel mehr. Zweifelsohne es war arbeitsintensiv und es hat auch nichts alles geklappt. Aber es war der Anfang eines Aufbruchs. Und das wichtigste – wir hatten wieder Menschen erreicht, die schon lange keinen Fuß mehr auf das Heiligengeistfeld gesetzt haben. Aber bevor es richtig los ging, war es auch schon zu Ende. Gescheitert an den Kleingeistern, an den ewigen Gestrigen, an den Mutlosen. Stress und Streit gab es, dass am Ende ein paar tausend Euro gefehlt haben.
Inzwischen ist die Werbeumlage erhöht worden, aber heute reichen nicht einmal 900.000 Euro für eine ordentliche Ankündigungskampagne, damit der potentielle Kunde überhaupt weiß, wann das größte Volksfest im Norden stattfindet. Botschaften senden wir schon lange nicht mehr aus. Wie auch. Dazu bedarf es Kreativität, digitale und Online-Targeting Kompetenz, Social-Media Erfahrung usw. Aber besonders bedarf es einer ausgesprochen guten Vernetzung in allen gesellschaftspolitisch relevanten Kreisen. Die Fachleute sind weg – wir haben unsere Ruhe. Ein pensionierter Beamter und ein Kirchturmreisender machen jetzt Marketing, d.h. veraltet Absatzwirtschaft. Klappt prima.
Das Ergebnis: Wir schalten wieder Anzeigen – hurra, es lebe die Reklame.
Weiter so - das macht Sinn.